Skip to main content Scroll Top

zum Beispiel Theresienstadt / například Terezín

Serie analoger Projektionen mit Begleitung

erste Station der Projektion war:
Náměstí Čs. Armády, Hauptplatz von Terezín, Tschechische Republik
September–Oktober 2025

Weitere Stationen werden folgen; als nächstes: Berlin

Aus einem in den öffentlichen Raum gesetzten Container werden über mehrere Tage, am Tagesende, s/w analoge Dia-Positive aller Haustüren von Theresienstadt großformatig, eines nach dem anderen projiziert, wie ein langsamer Film. Begleitet von Begleitern, die den Passanten mit historischen Informationen zur KZ/Ghetto-Zeit und Gesprächen zur Verfügung stehen.

Die Projektion ist ein Teil des Doppel-Projektes Theresienstadt – hier in der Zeit sich entfaltend.

zum Projekt Theresienstadt:

Am Anfang stand unsere Auseinandersetzung mit Theresienstadt / Terezín, besonders bezogen auf die Zeit der nationalsozialistischen Okkupation; die ganze Stadt wurde zwischen 1941-1945 als Konzentrationslager für Juden mißbraucht. Um diesem Phänomen Theresienstadt zu begegnen, setzten wir alle Haustüren dieser Stadt in den Mittelpunkt unserer Arbeit. Dafür haben wir sie vollständig, archivarisch genau fotografiert (da es ein solches Archiv bisher nicht gab). Von draußen, ohne Menschen, ohne Autos, Tür in der Regel geschlossen.

Künstlerische Hypothese: diese Bilder der Türen vermögen der unwiederbringlichen schmerzlichen Abwesenheit eine Gestalt zu geben.

Das fotografische Archivmaterial tritt in zweifacher Form auf:
als Projektion
und
als Postkarten-Installation.

In beiden Fällen treten ohne Auswahl alle Türen in Erscheinung, der hegelianischen Binsenweisheit folgend: dass das Ganze das Wahre sei.

Wir fühlen uns, je mehr wir uns (dem damaligen) Theresienstadt nähern, als Performative Bildende Künstler:innen besonders betroffen und empört – ob der performativen Täuschung dort als gesellschaftlichem Prinzip – und besonders gefragt!

Stanislav Lada, Gedenkstätte Theresienstadt: mehr

Theresienstadt, eine Festungsstadt, die Ende des 18. Jahrhunderts von Kaiser Joseph II. gegründet wurde, entstand als Teil des Verteidigungssystems der Habsburgermonarchie. Ihre regelmäßige barocke Struktur, bestehend aus einem Netz von Straßen, Kasernen und Befestigungsanlagen, war ursprünglich für militärische Zwecke bestimmt. Im Laufe der Zeit verlor die Stadt jedoch ihre militärische Bedeutung und wandelte sich allmählich zu einer zivilen Siedlung, deren Alltag lange vom Rhythmus einer kleinen Provinzstadt geprägt war.

Eine grundlegende Zäsur brachte die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Jahr 1941 verwandelten die Nationalsozialisten Theresienstadt in ein Ghetto und Durchgangslager, das vor allem für die jüdische Bevölkerung aus dem Protektorat Böhmen und Mähren, aber auch aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Dänemark und weiteren europäischen Ländern bestimmt war. Theresienstadt erfüllte dabei mehrere Funktionen zugleich – es war ein Ort der Zwangskonzentration, ein Arbeitslager und zugleich ein Instrument nationalsozialistischer Propaganda, das als „Musterghetto“ dargestellt wurde. Vor allem aber diente es als Durchgangsstation auf dem Weg in die Vernichtungslager im Osten.

Gerade dieser Durchgangscharakter bestimmte das Schicksal der meisten Häftlinge. Etwa 155.000 Jüdinnen und Juden wurden nach Theresienstadt deportiert. Rund 35.000 Menschen starben hier infolge von Hunger, Krankheiten und Erschöpfung. Etwa 87.000 Häftlinge wurden weiter in den Osten deportiert, insbesondere in Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka oder Sobibor; nur etwa 3.600 von ihnen kehrten nach dem Krieg zurück. Ungefähr 17.000 Menschen erlebten das Kriegsende in Theresienstadt. Diese Zahlen zeigen Theresienstadt als einen Ort, der mehr Zwischenstation als Ziel war – ein Ort vorübergehenden Aufenthalts, dessen Grenzen für die meisten lediglich eine Station auf dem Weg in den Tod bedeuteten.

In diesem Raum erhalten Türen und Tore eine zentrale Bedeutung. Sie sind nicht nur architektonische Elemente, sondern Symbole der Grenze zwischen Welten. Sie trennen die äußere Realität der Freiheit vom inneren Raum der Einschränkung, Kontrolle und Unsicherheit. Jede Tür in Theresienstadt bedeutete mehr als nur Ein- oder Ausgang – sie war ein Ort der Entscheidung, der Hoffnung und der Angst. Durch sie kamen die Transporte der Neuankömmlinge, durch sie gingen die Transporte in Richtung Osten. Geschlossene Türen konnten schützen, aber auch isolieren; offene Türen konnten eine kurze Rückkehr zur Menschlichkeit bedeuten – oder den Beginn eines Weges, von dem es kein Zurück gab.

Nach der Befreiung im Jahr 1945 wurde Theresienstadt zu einem Ort der Rückkehr und des Verlusts. Für kurze Zeit diente es als Internierungslager für Deutsche, und die Stadt verwandelte sich allmählich wieder in eine gewöhnliche Siedlung, die jedoch weiterhin die Last ihrer Vergangenheit trägt. Heute ist Theresienstadt vor allem ein Ort der Erinnerung, der an die Tragödie des Holocaust erinnert und vor den Folgen von Hass und Gleichgültigkeit warnt.

Die Fotografien der Türen und Tore von Theresienstadt sind daher nicht nur ein Dokument der Architektur. Sie sind stille Zeugen der Geschichte. Jedes Detail trägt die Spuren der Menschen, die durch sie hindurchgingen – manchmal freiwillig, häufiger jedoch gegen ihren Willen. Türen sind hier nicht nur eine Grenze des Raumes, sondern auch eine Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Vergessen und Erinnern.

eine Produktion von Wedding Film in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Theresienstadt

unterstützt vom Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds und durch das Culture Moves Europe-Programm der Europäische Union – Goethe Institut